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Störquellen bei LVS-Geräten und LVS-Check

Ein LVS-Gerät, unser treuer Begleiter im freien Gelände. Jedoch welche anderen Wunder der Elektronik schleppt so ein zeitgemäßer Skitourenmensch mit sich mit? Welche Probleme resultieren daraus und worauf sollte man achten?

Die Frage danach, was man heutzutage im freien Gelände bei sich trägt, ließe sich theoretisch leicht beantworten: optimalerweise ein 3-Antennen LVS-Gerät, welches ungefähr einmal in der Sekunde ein Signal auf der international festgelegten 457 kHz Frequenz sendet. Nachwievor im Jahr 2023 ein Wunschdenken, wenn man sich die bisherige Statistik in Österreich mit 4 tödlichen Lawinenunfällen ohne Standard-Lawinennotfallausrüstung (LVS, Sonde, Schaufel) ansieht.

Was ist aber die wahre Realität, was man heutzutage an so einem Skitouren-/Freeride-Körper trägt? Welche elektromagnetischen Interferenzen verursachen all unsere „Gadgets“, die wir auf Tour mithaben?

Begonnen mit den Basics wie Autoschlüssel, RFID Chip im Skiticket, Handy in der Hosentasche und wahrscheinlich bluetoothfähige Kopfhörer für die richtige Musik unterm Skihelm, unser imaginärer Freerider hätte sicherlich noch eine GoPro am Helm (oder in der Brusthalterung), ein Walkie-Talkie auf einer Seite vom Schultergurt, auf dem anderen ein inReach oder SPOT Tracker, irgendwo herum baumelt dann die Camera um den Hals, denn coole Fotos muss es auch noch geben… Schaut man in den Rucksack rein, auch ein Haufen Metall mit uns: alleine die Lawinenschaufel und Sonde, dazu noch eine Thermoskanne, Flachmann, oder eine Metallschnalle am Gürtel der Skihose, herumbaumelnde Karabiner oder Eisschrauben, wir wollen ja natürlich nicht nur irgendeine firstline fahren! Damit wir unsere Heldentat milimetergenau aufzeichnen können, kommt noch die GPS-Uhr mit aufs Handgelenk und da das Abenteuer von frühmorgens bei bitteren Temperaturen stattfindet, wären noch Heizhandschuhe oder -Socken, gar Heizsohlen ein schöner Luxusupgrade. Alles in allem eine ordentliche Elektroschrottsammlung am Weg! Rechnet man den monetären Wert von all dieser Elektronik zusammen, würde sich schon ein mehrtägiger Lawinencamp finanzieren lassen…

Im Falle einer Beteiligung in einer Lawine, haben diese Sachen meistens einen kleineren Einfluss auf die Sendeleistung vom LVS-Gerät auch wenn es zu gewissen Abschirmungseffekten je nach Distanz zum LVS kommt. Sind wir in der Position des Suchenden, schaut die Lage ernsthafter aus. In der übersichtlichen Auflistung der Sendeleistungen im LVS-Geräte-Test des DAV, hofft man als suchende Person auf eine Erstsignalerkennung bei ~60m in der besten Koppellage. Testet man jedoch wie die Verschüttung aussieht, wenn unser Opfer das Handy „auch in dieselbe Hosentasche“ wie das LVS geschoben hat, kommt es bis zu 50%-igem Sendeleistungsverlust, inkorrekter Entfernungsanzeige, springender Richtungsanzeige oder möglichen Geistersignalen. Deshalb lautet die allgemeine Empfehlung der Hersteller seit 2015, das Handy mindestens 20 cm weg vom LVS im Sendemodus aufzubewahren, sowie mindestens 50 cm entfernt bei der Verschüttetensuche. Das Handy kann einen Einfluss aufs LVS haben, egal in welchem Telefonmodus es sich befindet: an, mit mobilen Daten, offline oder ausgeschaltet.

Ebenfalls gibt es Vorfälle mit einer GPS-Uhr, die bei der Suche zu einer Minderung der Empfangsleistung führen kann, deshalb empfehlen Meister und Dammert 2014 diese auf der anderen nichtdominanten Hand zu tragen. Uhr am selben Handgelenk wie LVS bei der Suche ist nur wenige Zentimeter voneinander entfernt und kann zu maßgeblichen Problemen führen.

Weitere Probleme mit können im ungünstigen Fall auch in der Nähe von Sendeanlagen, Hoch- und Mittelspannungsleitungen oder Liftanlagen auftreten, vor allem im digitalen Modus können die LVS-Geräte Distanzprobleme anzeigen und springende Richtungsanweisungen melden. Hier hilft professionellen Einsatzkräften oft nur noch eine analoge Suche mit sehr schmalen Suchstreifen.

Eine Studie der Universitätsklinik für Anätsthesie und Intensivmedizin Innsbruck und der Bergrettung Tirol untersuchte den Einfluss von beheizbaren Handschuhen, Socken und Einlegesohlen. Eine maßgebliche Verringerung der Empfangsreichweite sowie Störungen der Richtungsanzeige durch elektromagnetische Interferenz bei Heizhandschuhen wurde festgestellt, Heizsocken und Heizsohlen verursachten nicht so große Probleme.

Der große und anschließen der kleine LVS-Check am Beginn jeder Tour hilft in der Gruppe die Positionierung von unseren elektronischen Geräten nochmals visuell zu überprüfen [ Videoserie von SicherAmBerg des Alpenvereins https://www.youtube.com/playlist?list=PLVvDUrPM_IwUJlvDHJRfoThSydfLZWbk9 ]

Der große und anschließend der kleine LVS-Check am Beginn jeder Tour hilft in der Gruppe die Funktionalität vom LVS zu überprüfen, sowie die Positionierung von unseren elektronischen Geräten nochmals visuell zu checken [ Videoserie von SicherAmBerg des Alpenvereins https://www.youtube.com/playlist?list=PLVvDUrPM_IwUJlvDHJRfoThSydfLZWbk9 ]

Der große LVS-Check am Anfang der Tour bietet sich hervorragend nicht nur zur Überprüfung der Fertigkeiten der Teilnehmer:innen das jeweilige LVS-Gerät zuerst in den Suchmodus und anschließend in den Sendemodus zu schalten, sondern erleichtert die gegenseitige Kontrolle über das Verstauen der elektronischen Geräte am Körper. Beim verstauen des LVS-Gerätes im Sendemodus schaut man in der Gruppe, dass v.a. der Mindestabstand zum Smartphone (min. 20cm im Sendemodus) gewährleistet wird und man sich „seine Taschen“ gut einteilt. Ebenfalls sollte das LVS-Gerät immer unter einer Bekleidungsschicht bedeckt bleiben.

Am Besten probiert man selber bei der nächsten LVS-Übung aus, was man so an Elektronik mitführt und staunt zu welchen Ergebnissen man kommt.

 

Eine aktuelle Studie zum Thema gibt es übrigens von der DAV Sicherheitsforschung.

Timea Marekova